Laptop wieder da, Ferien vor Augen

Posted by on 18. Juni 2012

Ja, richtig gelesen. Mein Laptop ist wieder da. Wie ist das passiert? Was ist sonst so los? Ein neuer Bericht.

Man kann es wirklich kaum glauben und niemand hier hätte es für möglich gehalten. Aber genau am selben Tag, als ich berichtet habe, dass mein Laptop geklaut worden ist, bekomme ich am Nachmittag, als ich gerade in der Gegend von Paarl ein paar Kinder für das Wochenende nach Hause gebracht habe, einen Anruf. Die Polizei wäre da und hätte meinen Laptop dabei. Später erfahre ich, dass der Laptop von einem anderen Volontär identifiziert wurde und ich sollte doch bitte am nächsten Tag, Samstag, auf die Wache kommen.
   Gesagt, getan, am nächsten Vormittag stand ich bei der Polizei. Dort hatte man mal wieder keine Ahnung, wovon ich rede und es scheint offensichtlich zu viel verlangt zu sein, sich den Ordner mit meinem Fall zu nehmen und schnell zu überfliegen, worum es geht. Irgendwann, nach einigen unnötigen Fragen, sitze ich dann aber doch an einem Tisch und ein Polizist holt eine versiegelte Plastiktüte, in der sich tatsächlich mein Laptop befindet. Mir fällt ein riesengroßer Stein vom Herzen. Das Problem nun war allerdings die sichere Identifizierung, zumindest für die Polizei. Ich habe ihnen immer wieder gesagt, dass es hier erstens wohl gar keine ASUS-Laptops gibt, zweitens wohl nicht viele mit deutscher Tastatur und drittens konnte ich ihnen zeigen, dass es an einer Stelle eine kleine Beschädigung gibt. Mitnehmen durfte ich meinen Laptop nicht. Ich sollte am Montag wiederkommen und nach einem Officer Laerm (oder wie auch immer er geschrieben wird) fragen.
   Gesagt, getan, am Montag nach meinem morgendlichen Fahren stand ich gegen neun Uhr mal wieder bei der Polizei. Nachdem man ich auf meine Anfrage nach dem Officer zunächst in ein anderes Office geschickt hatte, erfuhr ich dort tatsächlich, dass Officer Laerm heute gar nicht da sei, denn er habe frei. Herzlich Willkommen in Südafrika. Zu diesem Zeitpunkt habe ich gekocht vor Wut. Mal wieder hatte niemand einen Plan und keiner scheint zu wissen, wovon er redet. Aber ich sollte doch am Dienstag wiederkommen, dann wäre er da.
   Gesagt, getan, am nächsten Tag stand ich also wieder bei der Polizei, bereit für die letzte Runde im Kampf Philipp versus Polizei. Der Officer war wirklich da. Er sagte zu mir, im Prinzip könnte ich den Laptop mitnehmen, aber zunächst müsste ich noch eine Aussage machen. Dafür brauche er einen anderen Detective, der sich momentan aber nicht auf der Wache befinde. Er rief diesen Detective an und teilte mir anschließend mit, dass er sich auf den Weg machen würde und in fünf Minuten da sein werde. Officer Laerm selbst würde in der Zeit den Laptop holen. Mir war klar, fünf Minuten? African Time. Wohl eher eine halbe Stunde.
   Natürlich wurde es eine halbe Stunde, die ich warten musste. Ich war jedoch entschlossen, heute die Wache nicht ohne meinen Laptop zu verlassen. Während ich im Büro wartete, kam ein älterer Mann herein, der seine Shotgun auf seinen Sohn überschreiben lassen wollte. Nach einer halben Stunde waren dann endlich zwei Detectives da. Zwei junge Schwarzafrikaner. Und wieder gab es das Problem der Identifikation. Irgendwann habe ich ihnen dann vorgeschlagen, dass ich den Laptop hochfahren und ich anschließend erstens Dateien öffnen werde, die ich durch ein Passwort gesichert habe ihnen zweitens Fotos von mir selbst auf dem Laptop zeigen werde. Nachdem die Polizisten sich damit einverstanden erklärt hatten, mussten wir jedoch feststellen, dass der Laptop nicht anging. Der Akku war scheinbar komplett leer. Bevor die Polizisten dazu etwas sagen konnten, schlug ich direkt vor, schnell ins Kinderheim zu fahren und das Netzteil zu holen, denn das war ja nicht geklaut worden.
   Gesagt getan, ich fuhr ins Kinderheim und holte das Netzteil sowie einen Rucksack. Ich war inzwischen durchgeschwitzt. Beinahe hätte ich einen Adapter vergessen. Wieder bei der Polizei angekommen startete ich also den Laptop und stellte zu meiner Freude fest, dass es keine sichtbaren Änderungen auf dem Desktop gab. Ich öffnete wie versprochen passwortgesicherte Dateien und Bilder von mir und klärte somit endlich die Frage nach der eindeutigen Identifizierung. Ich dachte wirklich, ich hätte nun gewonnen. Falsch. Es entwickelte sich nun ein Konflikt zwischen dem Officer und einem Detective. Der Detective wollte mir den Laptop nicht geben, da er ihn als Beweisstück im Prozess gegen den geschnappten Täter zu verwenden beabsichtigte. Bis es hier zu solchen Prozessen kommt, vergehen aber leider einige Monate. Ich war natürlich ganz und gar nicht einverstanden. Zu meinem Glück war auch der Officer der Meinung, dass man mir den Laptop geben sollte, denn bis August würde der Prozess sicherlich nicht stattfinden. Irgendwann entschieden sie, einen ranghöheren anzurufen und ihn zu fragen, wie sie nun vorgehen wollte. Ich hatte Glück. Sie bekamen den Befehl, mir den Laptop zu geben unter der Auflage, dass ich ihn zur Verfügung stellen würde, sollte es bis August zu einem Prozess kommen. Der Detective regte sich sichtlich darüber auf und sagte, es würde niemals dazu kommen. Es folgte einige Sätze über das schlechte und unlogische Justizsystem Südafrikas. Mir war das zu diesem Zeitpunkt alles egal, ich wollte nur meinen Laptop wiederbekommen. Ich machte also eine letzte Aussage für den Detective, unterschrieb sie und konnte dann, nach eineinhalb Stunden bei der Polizei, meinen Laptop wieder mitnehmen.
   Zu Hause stellte ich fest, dass er wirklich unverändert ist, selbst die DVD befand sich noch im Laufwerk.

   Natürlich habe ich unglaubliches Glück gehabt. Sämtliche Südafrikaner, also der Staff im Kinderheim werden nicht müde, mich immer wieder darauf hinzuweisen. Ich weiß auch nach wie vor nicht genau, wie sie meinen Laptop nun wirklich wieder beschafft haben. Das Einzige, was ich weiß, ist, dass das vermutete Mädel zusammen mit zwei anderen aus dem Shiloh-Haus (welches in einem anderen Stadtteil liegt und dessen Kinder nur alle zwei Wochenenden hier sind) den Laptop geklaut haben und ihn irgendwann an einen ihnen bekannten Mann gegeben haben, damit der ihn verkauft. Als die Polizei ein paar Tage nach dem Diebstahl im Kinderheim war, hat glücklicherweise ein Mädchen aus dem Kinderheim den Mund aufgemacht und der Polizei verraten, an wen der Laptop übergeben wurde. Woher sie das wusste, das weiß ich nicht. Einer der Polizisten konnte aber mit dem Namen etwas anfangen. Entgegen meiner Erwartung (und der Erwartung aller anderen) hat die Polizei den Kerl wirklich geschnappt, als er meinen Laptop verkaufen wollte.
   Somit hat diese Geschichte, die ich schon lange abgehakt hatte, völlig überraschend ein Happy End gefunden.

   Am Ende dieser Woche gibt es endlich Schulferien. Drei Wochen. Dann habe ich eine Woche Urlaub (bis zum EM-Finale). In den anderen zwei Wochen werde ich insgesamt sechs Mal Nachtschicht arbeiten müssen. Jeweils drei Mal hintereinander, das erste Mal am 4. Juli. Damit habe ich eigentlich kein Problem. Ich werde drei Wochen nicht früh aufstehen müssen und Nachtschicht in den Ferien ist sehr ruhig. Die Kinder müssen morgens nicht geweckt werden und aufs Klo bringen muss man, soweit ich weiß, auch niemanden. Weiterhin werde ich endlich mal tagsüber wieder Zeit haben, mehrere Dinge zu unternehmen. Ich werde wohl auch endlich den Fluch des Tafelberg-Aufstiegs ablegen können und endlich, nach mittlerweile fast einem Dreivierteljahr, auf Kapstadt berühmten Bergsteigen können. Ich habe es in den letzten Wochen immer wieder vorgehabt, zum Beispiel am Tag, an dem dann mein Laptop geklaut wurde und ich aus diesem Grund nicht konnte. Oder zum Beispiel gestern, nachdem die gesamte Woche hundert Prozent Sonnenschein war. Aber klar, gestern war es dann auf einmal völlig bewölkt. Spontan sind wir jedoch dann über Betty’s Bay (Pinguine!) nach Hermanus gefahren. Wale haben wir leider noch nicht gesehen. Aber ein schöner Ausflug war es dennoch.
   Momentan hält man das Wetter also gut aus. Natürlich ist es nachts und morgens kalt, aber ich ziehe mich inzwischen sehr warm an. Meine Erkältung ist auch besser geworden, trotzdem habe ich sie seit nun sechs Wochen am Hals. Für diese Woche ist auch viel Sonnenschein angesagt.
   Das Fahren ist sehr wenig geworden seit letztem Dienstag, da die meisten Extra-Aktivitäten nicht mehr stattfinden vor den Ferien. Auch heute werde ich wieder gegen zwei Uhr am Nachmittag fertig sein. Noch vier Mal früh aufstehen, dann Urlaub.

   In zwei Monaten und vier Tagen lande ich zu Hause. Es wird Zeit. Es wird vor allem Zeit, dass es Ferien gibt, denn die Stimmung hier unter den Volontären ist teilweise doch sehr angespannt. Viele sitzen mittlerweile einfach seit mehr als einem Dreivierteljahr aufeinander. In den Ferien sind sehr viele auf Trips. Das ist auch bitternötig.

   Für meine Nachtschichten mache ich mir keine großen Sorgen. Ich habe schließlich meinen Laptop wieder. Auch wenn ich dafür insgesamt fünf Mal bei der Polizei gewesen bin.

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