Horse-Riding

Posted by on 25. Oktober 2011

Es ist Nacht. Ich muss arbeiten. Also Zeit, um das kürzlich erlebte zu berichten. Ich war beim Horse-Riding auf einer Tierfarm. Nein, selbst geritten bin ich nicht. Das ist für die Kinder. Dazu habe ich ebenfalls einige Bilder hochgeladen, die ihr hier anschauen könnt.

Was ich alles erlebt habe, könnt ihr nun lesen…

24. Oktober – Horse Riding – Natur – Armut

Montagabend, 24. Oktober. Erster Tag meiner ersten Long Week. Mein heutiger Bericht soll sich allerdings um etwas anderes drehen. Zuvor hatte ich bereits angedeutet, dass ich mich zu anderer Arbeit überreden lassen habe. Heute stand das erste Mal Horse Riding auf dem Programm.
   Ich musste nicht als einziger Volontär mitfahren, was mit angenehm war, denn ich wusste nicht, was mich erwartete. Nina interessierte sich ebenfalls für die Aufgabe, sodass wir gemeinsam gefahren sind. Normalerweise fahren an einem Tag immer zwei Kinder beziehungsweise Jugendliche mit. Heute war es lediglich ein Junge, da der andere eine Fußverletzung hat. Um halb vier wurden wir von einem Mann im Kinderheim abgeholt, der zunächst mit uns zu seinem eigenen Haus fuhr. Er wohnt mit seiner Frau in einer der besseren Gegenden von Durbanville. Arm sind sie nicht. Dort wurden wir direkt wie ehrenvolle Gäste begrüßt. Wir wurden ins Haus geführt und wir nahmen zunächst im Wohnzimmer Platz. Man bekam nicht direkt den Eindruck, dass wir überhaupt noch wegfahren wollten, denn die Atmosphäre war überaus locker und gelassen. Dies ist wohl eine Sache, die hier in Afrika wirklich so ist, wie sie erzählt wird. Vor einer Abreise wurde mir ein Zitat eines Afrikaners erzählt, welches lautet: Ihr Europäer habt die Uhren, aber wir haben die Zeit. An diesem Spruch scheint wirklich etwas zu stimmen, denn ich hatte zu keinem Zeitpunkt am heutigen Nachmittag das Gefühl, als ob wir uns mit irgendetwas beeilen müssten. Eine Tatsache, die ich als überaus angenehm empfunden habe, da meine Nachtschicht erst um 21 Uhr beginnt. Zunächst hat uns das Ehepaar, dessen Namen ich leider vergessen habe, ein wenig über ihr Projekt und über ihre Verbindung zum Kinderheim erzählt. Die Tiere, die wir später besuchen sollten, leben in einem Animal-Rescue-Center, also einer Rettungsstation für Tiere. Im Fall der Pferde sind einige von ihnen also beispielsweise vor dem Schlachten bewahrt worden. Es handelte sich hierbei teilweise um ehemalige Sprung- und Rennpferde, aber auch um Tiere, die misshandelt worden waren. Außerdem gehört zum Animal-Rescue-Center (ARC) ein Bereich, in dem Hunde und Katzen leben. Gerade Hunde sollten wir an diesem Tag noch einige zu sehen bekommen.
   Nachdem wir den Weg vom Kinderheim bis zum Wohnhaus der Familie noch in einem Ford Ka zurückgelegt hatten, wechselten wir nun zu einem Bakkie. Ein Bakkie ist praktisch nichts anderes als das, was wir unter einem Pickup kennen. Da Backies lediglich zwei Sitzplätze habe, sind Nina und ich auf der Ladefläche mitgefahren, was in Südafrika völlig normal ist. Für mich war die erste Fahrt auf einem Backie spannend, sodass ich mehrere Videos und Bilder gemacht habe. Nachdem wir zunächst ein paar Minuten auf einer Landstraße unterwegs waren, bogen wir irgendwann nach rechts ab und passierten unmittelbar danach ein Township. Da ich diesen Begriff ansonsten noch nicht benutzt habe, sei an dieser Stelle bemerkt, dass man unter einem Township die sehr einfachen Siedlungen in Südafrika versteht, in denen die Leute sehr einfach (man könnte auch sagen in Armut) leben. Ich bekam nun also das erste Mal (die Fahrt vom Flughafen nach Durbanville zähle ich nicht, da es weit weg war) die Wellblechhütten aus der Nähe zu sehen. Man muss sagen, dass diese Leute immerhin noch Strom haben, was jedoch nichts daran ändert, dass sie in Hütten leben, die kleiner als eine normale Garage in Deutschland sind. Eine befestigte Straße gibt es ebenfalls nicht, sodass gerade nach viel Regen mit Schlamm und noch mehr Dreck zu rechnen ist. Auch unsere Straße, die direkt am Township vorbeiführte, war mittlerweile nur noch Sand. Nach ein paar weiteren Kilometern bogen wir irgendwann links auf eine deutlich schmalere Sandstraße ab, welche gleichzeitig unwegsamer geworden war. Von hier waren es noch ungefähr drei Minuten, bis wir das ARC erreicht hatten.

   Das ARC liegt praktisch mitten in der Natur. Drumherum ist nur Wiese und vereinzelt Bäume. Am Horizont sind Berge zu sehen. Die gesamte Anlage ist ziemlich frei. Uns wurde erklärt, dass jeder einzelne Zaun und jede Hütte selbst gebaut wurde. Wir gingen also zu den Pferden und wurden praktisch vorgestellt. Außerdem erklärte der Besitzer und, dass es seine Philosophie sei, die Tiere so ursprünglich wie möglich leben zu lassen. Somit wird beim Reiten, was im Allgemeinen wenig vorkommt, auch kein Sattel verwendet. Auch das Halfter für das Pferd, auf dem der Junge reiten sollte, wurde aus einem Seil improvisiert. Schnell saß er auf dem Pferd und wurde am Strick eine Weile herumgeführt. Selber reiten durfte er nicht. Ohnehin habe ich den Eindruck, dass er eine leichte psychische Behinderung aufweist. Auf jeden Fall liebt er Tiere und war absolut glücklich. Den Stellenwert solcher Unternehmungen und Ausflüge wie dem heutigen können wir für die Kinder wahrscheinlich nicht einschätzen. Man muss immer bedenken, dass diese Kinder praktisch nicht nur nichts haben, sondern sie haben darüber hinaus in der Regel auch noch eine gewaltvolle und traumatisierende Vergangenheit. Da leuchtet es ein, dass sie sich sehr freuen, wenn sie einmal mitgenommen werden und etwas anderes sehen als das Kinderheim oder ihre Schule. Während der Junge also auf dem Pferd geführt wurde, sind Nina und ich ein wenig umhergegangen. Im Allgemeinen ist die Anlage sehr wild, die Zäune sind improvisiert und es gibt immer wieder Müllhaufen, die einfach in der Gegend liegen. Optisch wesentlich ansprechender waren dagegen die violetten Blumen, die dort offensichtlich überall wachsen.
   Nachdem die Reitstunde dann beendet war, sind wir noch eine ganze Weile auf dem Gelände geblieben und haben verschiedene Tiere besucht. Zu jedem Pferd gibt es eine Geschichte, wie es zur „Herde“ gestoßen ist. Außerdem gibt es einen Esel und eine Ziege, die überall auf dem Gelände herumläuft und sich von keiner noch so hohen Mauer aufhalten lässt. Auch Schweine sind hier zu Hause und wohnen mit den Pferden, dem Esel und der Ziege auf einem Gelände.
  Irgendwann, nach geraumer Zeit, verließen wir schließlich das Gelände und wurden mit dem Backie wieder zum Kinderheim gefahren. Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht heute. Es war schön, einmal Durbanville verlassen zu können und ein Gelände anzuschauen, was es bei uns praktisch so nicht gibt. Hier und da hat man immer wieder Tiere gesehen, die es bei uns nicht gibt, seien es lustige Laufvögel, kleine, aasfressende Vögel oder bunte „normale“ Vögel. Weiterhin ist es schön, die Kinder aus dem Kinderheim einmal einzeln erleben zu können, da sie in diesen Situationen wesentlich pflegeleichter sind. In den Gruppen wollen sie sich in der Regel als aufständisch und provokativ profilieren und den Volontären so das Leben schwer machen, aber einzeln merkt man schnell, dass manche von ihnen doch deutlich vernünftiger und netter sind, als es den Anschein hat.
   Nachdenklich gemacht hat mich am Ende noch der Anblick der Behausung der Wächter des Geländes. Diese wohnen wirklich, eingezäunt von einem Zaun, damit ihre Hunde bei ihnen bleiben, in einer zusammengezimmerten Wellblechhütte mitten im Nichts praktisch. In einem Moment, in dem es niemand sah, habe ich aus der Entfernung ein Foto davon machen können.

 

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