Nachtschicht im eigenen Haus

Posted by on 20. Oktober 2011

19. Oktober – Nachtschicht in Haus 3&4, ruhige Nacht, viel neue Arbeit.

Die dritte Nachtschicht habe ich nicht bei den Happy Feet's verbracht. Es standen also wieder neue Erfahrungen bevor…

21.20 Uhr:
Short Week, also muss ich am Mittwoch und am Donnerstag arbeiten. Ich hatte mich schon auf eine weitere Nacht bei den Happy Feet’s eingestellt (mit zunehmender Routine), aber Helen sagte mir, sie würde mich gerne heute in ein anderes Haus einteilen, damit ich mal an mehreren Stellen gearbeitet habe.
   Jetzt sitze ich in Haus 3&4 (die Häuser hängen innen aber zusammen, es ist ein Flur), also ungefähr zehn Meter von meiner eigenen Zimmertür entfernt. Die positiven Änderungen bedeuten, dass ich statt auf dem Stuhl bei den Happy Feet’s jetzt in einem Sessel sitze und dass ich nur einmal, um zwei Uhr, eine einzige Person wecken muss. Weiterhin ist es wohl nicht schlimm, wenn man hier mal einschläft. Die Nachteile sind, dass die Internetverbindung hier nicht die beste ist und die Steckdose nicht in meiner Reichweite ist. Glücklicherweise hält mein Akku lange und ich habe noch einen Mehrfachstecker in meinem Zimmer. Wenn dann noch ein paar Meter fehlen sollten, schiebe ich später den Sessel einfach weiter in den Flur.
   Die Kinder sind noch nicht alle im Bett, da es hier natürlich wesentlich ältere Kinder gibt. Ich weiß nicht, wie alt die Ältesten sind und ich kann es auch schlecht einschätzen. Ich würde den ältesten maximal auf 16 Jahre schätzen. Es ist aber glücklicherweise ziemlich ruhig im Moment. Heute über den Tag haben die Kinder schon stark Terror gemacht, da heute kein Volontär in diesem Haus Tagschicht hatte, da jemand im Urlaub ist.
   Gerade macht das Internet ziemliche Probleme. Ich hoffe, ich bekomme das in den Griff.

21.45 Uhr:
Schlechte Nachrichten in puncto Internet. Ich habe zwar immer wieder Verbindung (sagt Windows), aber in Wirklichkeit funktioniert es nicht oder extrem langsam. Ich gebe aber noch nicht so leicht ab. Ansonsten setze ich mich gleich woanders hin.

22.15 Uhr:
Ich gebe auf. So bequem es hier ja sein mag, ohne Internet ist es definitiv härter. Dann werde ich nun erst einmal etwas lesen. Vielleicht probiere ich später aus, wo in diesem Flur Empfang ist. Immerhin hat es eben noch gereicht, um zwei E-Mails runterzuladen.

1.00 Uhr:
Ich muss eingeschlafen sein. Zusammengefaltet im Sessel muss ich nach dem Lesen wirklich eingeschlafen. Noch eine Stunde, bis ich jemanden wecken muss. Wie das wohl werden wird? Von den Happy Feet’s bin ich ja kampferprobt.

1.45 Uhr:
Ich bin die ganze Zeit halbwach. Also kann ich jetzt auch schon loslegen.

1.50 Uhr:
Das war ja einfach. Geradezu nicht der Rede wert. Rütteln, wecken, „Pipi“ und „You have to go to the toilet“ sagen und man bekommt sogar eine Antwort. „Yes, I know“. Dann stand die Person doch tatsächlich selbst auf, ging aufs Klo und kam wieder zurück. Ich musste nicht einmal wirklich hinterher gehen. O.k., er ist aber auch schon ein wenig älter als die Happy Feet’s und ich bezweifle die Sinnhaftigkeit des Ganges auf die Toilette.
   Somit sind meine Aufgaben wohl erledigt.

3.00 Uhr:
Ich habe noch einmal geschlafen. Ein paar Stunden sind es aber noch. Eben ist Daniel aus heimgekommen. Er hatte eine ganz schöne Bierfahne. Gerade gehen konnte er aber.

5.24 Uhr:
Ich hatte mir den Wecker auf 5.25 Uhr gestellt, damit ich auf jeden Fall wach bin, sollte ein CCW kommen. Eine Minute vor dem Klingeln des Weckers werde ich selbstständig wach. Auf meinen inneren Wecker ist Verlass.

6.05 Uhr:
Verdammt, ich muss noch mal eingeschlafen sein. Es ist aber auch niemand hier. Müssen die Kinder um sechs Uhr geweckt werden? Es ist niemand hier.

7.00 Uhr:
Fertig. Etwas chaotisch alles. Ungünstig, wenn einem niemand sagt oder gesagt hat, was man zu tun hat. Die CCWs von Haus drei und vier sind dann doch gekommen und wir haben die Kinder geweckt. Hier ist alles etwas anders als bei den Happy Feet’s, die sich selbst wecken. Anschließend habe ich beim Vorbereiten des Frühstücks geholfen. Mehr oder weniger. Die CCW in Haus vier ist eine richtige Afrikanerin, ich verstehe ihr Englisch nicht sehr gut. Kurios war, dass sie irgendwann zu mir sagte, ich solle draußen nach einem Jungen schauen, der weggelaufen ist. Ärgerlich, wenn ich nicht einmal weiß, wer das ist. Dennoch bin ich raus und habe gesucht. In der Nähe des Frontgates traf ich zum Glück einen Mitarbeiter hier, der mir sagte, dass ein Junge dort im Gebüsch wäre. Kurz darauf sah ich ihn, wie er links neben dem Frontgate im Gebüsch versuchte, über die Mauer zu klettern und so das Gelände zu verlassen. Ich habe ihn dann eingesammelt und wieder mit nach Haus vier genommen. Außerdem habe ich, wie gesagt, das Frühstück vorbereitet.
   Um sieben Uhr war ich dann endlich fertig. Ins Bett hatte ich es ja nicht weit. Ich war nicht sonderlich müde, wollte aber trotzdem schlafen, was mir nach ein paar gelesenen Seiten auch gelang.

11.00 Uhr:
Ich bin wieder wach und recht ausgeschlafen. Dann wollen wir einmal sehen, was der Tag noch bringt.

12.00 Uhr:
Ich habe mir eine Menge Arbeit aufschwatzen lassen. Ich mache jetzt alle zwei Wochen „Horse Riding“. Da fährt man wohl mit ein paar Kindern zu einem Reiterhof du beaufsichtigt sie beim Reiten. Mir wurde versichert, dass ich selbst nichts mit den Pferden machen muss. Ich bin einfach nur da, damit jemand da ist. Außerdem werde ich mit „Toy Library“ machen. Das ist ein Programm, bei dem einzelne Kinder beschäftigt werden sollen. So, wie ich es verstanden hab macht man da einzelne Spiele oder Aufgaben mit ihnen, um festzustellen, was die Kinder gut können beziehungsweise nicht gut können. Das muss man dokumentieren und beim nächsten Mal mit den Kindern wieder üben. Als Drittes übernehme ich ab und zu die Aufsicht im Computerraum. An vier Tagen in der Woche haben die Kinder die Möglichkeit, für eine Stunde am Computer für Schulprojekte zu arbeiten. Dabei werden sie von jeweils zwei Volontären beaufsichtigt, die ihnen für Fragen zur Verfügung stehen.

16.27 Uhr:
Ich habe den Bericht fertig geschrieben und werde ihn jetzt gleich hochladen. Das Wetter ist wieder wechselhaft. Ich habe eine lange Hose und noch eine Jacke über dem T-Shirt. So warm ist es nicht. Ich bin gespannt, wo ich die nächste Nachtschicht verbringen werde. Um 21 Uhr geht es wieder los.

Keine Kommentare erlaubt.